Fortgeschrittene Digitalisierung: Technologieprofile Bayern

Die Position des Freistaats in der Anwendung von fortgeschrittenen Digitalisierungstechnologien

Eine Studie im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (Juni 2026).

Bayern-technologien

Hintergrund 

Technologische Fortschritte entstehen häufig aus der intelligenten Verknüpfung bestehender Technologien. Die Digitalisierung treibt als Querschnittstechnologie die Transformation anderer Technologien voran und ermöglicht bessere Produkte und Prozesse.

Patente tragen häufig mehr als eine Technologieinformation und können daher oft mehreren Technologien zugeordnet werden. Für die Analysen in dieser Studie werden die Patente an der Schnittstelle zwischen Anwendungstechnologien und fortgeschrittenen Digitalisierungstechnologien identifiziert, d.h. diese Patente tragen sowohl Merkmale einer Anwendungstechnologie als auch einer fortgeschrittenen Digitalisierungstechnologie.

Die Messung der digitalen Durchdringung durch fortgeschrittene Digitalisierungstechnologien erfolgt für die Anwendungstechnologien in den vbw Zukunftsfeldern (abzüglich der dort beinhalteten fortgeschrittenen Digitaltechnologien) bzw. für die Zukunftsfelder insgesamt.

Globale Trends

In den Charts zu den globalen Trends werden die globalen Entwicklungen bei den fortgeschrittenen digitalen Weltklassepatenten dargestellt. Die Charts zeigen das Gesamtwachstum seit 2000, die Verteilung auf die neun vbw Zukunftsfelder sowie die Top-Anwendungstechnologien mit den höchsten Patentzahlen und der stärksten digitalen Durchdringung.

Trends nach Ländern

Hier wird die globale Forschungslandschaft nach Ländern aufgeschlüsselt. Die Charts zeigen die wichtigsten Forschungsstandorte weltweit, ihre Wachstumsdynamik sowie die digitale Durchdringung in den Anwendungstechnologien – also wie stark die einzelnen Länder ihre Forschung in den Zukunftsfeldern bereits digitalisiert haben.

Technologieprofile 

In diesem Abschnitt erfolgt die Analyse auf Ebene der Zukunftsfelder und der in den Zukunftsfeldern enthaltenen Anwendungstechnologien. Die Analyse erfolgt für Bayern, Deutschland, EU, USA und China. Die Technologieprofile setzen die Patentaktivität in den Zukunftsfeldern bzw. Technologien in den Regionen in Relation zur weltweiten Patentaktivität, so ergibt sich der Weltanteil der Region in einer bestimmten Technologie. Dabei werden nur fortgeschrittene digitale Weltklassepatente in den Anwendungstechnologien bzw. Zukunftsfeldern dargestellt. Zudem werden die fortgeschrittenen digitalen Tech-Profile in den Zukunftsfeldern mit den gesamten Tech-Profilen verglichen. Zusätzlich werden die wichtigsten Kennzahlen pro Technologie in Tabellenform gezeigt.

KI und Quantum Computing im Fokus

Dieses Kapitel gibt einen Überblick über alle 21 Digitalisierungstechnologien und rückt anschliessend zwei besonders relevante Digitalisierungstechnologien in den Mittelpunkt: die Künstliche Intelligenz und das Quantum Computing. Die Charts zeigen, wie sich diese Technologien in den Anwendungsfeldern verteilen, welche Länder bei KI und Quantum Computing führend sind und welche Rolle Generative KI und weitere Quantentechnologien wie Quantensensorik oder Quantenkommunikation spielen.

Technologien und Technologiefelder

Die Schnittmenge aus rund 90 Anwendungstechnologien sowie 21 fortgeschrittene Digitalisierungstechnologien stellt die Datengrundlage für die Analyse dar. Zusätzlich sind die einzelnen Anwendungstechnologien den bestehenden technologischen Zukunftsfeldern der vbw zugeordnet.

3D Bildgenerierung
5G
Avatar
Big Data
Biometrie
Blickverfolgung
Blockchain
Cloud Technology
Cyber Security
Digitaler Zwilling
Fintech
Gesichtserkennung
Gestenerkennung
Halbleiterherstellung
Maschinelles Lernen / KI
Maschinen-Kommunikation (M2M)
Prozessautomatisierung
Quantum Computing
Spracherkennung
Verschlüsselungstechnologien
VR und AR, XR, Metaverse

3D-Druck
Effiziente Aluminiummetallproduktion
Effiziente Chemieproduktion
Effiziente Glas- und Keramikproduktion
Effiziente Metallproduktion
Grüne/blaue Wasserstoffproduktion
Industrieroboter
IoT-Sensoren
Photonik
Robotik
Sensoren
Vernetzte Produktion
Wasserstoffelektrolyse
Wasserstofferzeugung/Speicherung
Alzheimer
Augenkrankheiten
Biomedizinische Bildgebung
Biosensoren
Computergestützte Chirurgie
COPD (Lunge)
Coronaviren
Diabetes
Erkrankungen des zentralen Nervensystems
Hepatitis
Hörgeräte
Impfstoffe
Krebs
NASH (Fettleber)
Operationsroboter
Patientendaten
Pflegeroboter
Technik für Ältere
Virusnachweis
AC/DC Wandler, Photovoltaik
Batterie- und Brennstoffzellenrecycling
Biotreibstoffe, Biomasse
Brennstoffzellen
Carbon Capture
Energiespeicher
Geothermie
Herstellung von Brennstoffzellen
HGÜ-Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung
Intelligente Stromnetze
Lithium Akkumulatoren
Silizium Photovoltaik Zellen
Solarthermie
Synthetische Treibstoffe
Wärmepumpen
Wasserkraft
Windenergie
Autonome Straßenfahrzeuge
Batterieladegeräte für Fahrzeuge
Drohnen
Effizientes Autodesign
Elektrofahrzeuge
Head-Up-Display
Hyperloop
Interaktion im Strassenverkehr
Smart City
Urbane Logistik
Vernetzte Fahrzeuge
Vernetzter Verkehr
Biopolymere
Carbon, Graphen
Fortgeschrittene Materialien
Fortgeschrittene Beschichtungen
Keramik
Metamaterialien
Moderne Dämmstoffe
Biomarker
Bioinformatik
Bioprinting
CART-T
CRISPR
Immuntherapie
Präzisionsmedizin
Stammzellen Umprogrammierung
Präzisionslandwirtschaft
Funktionelle Lebensmittel
Reinraumlandwirtschaft
Trinkwasseraufbereitung
Verarbeitung von Pflanzenproteinen
Elektroflugzeuge
Fluggeräte für Senkrechtstart/-landung
Kosmonautik
Luftfahrt
Raumfahrtmaterialien
Satellitentechnologien

Nanotechnologien

Grundlagen

Hintergründe, Definitionen und Erklärungen zu wichtigen Analysegrundlagen.

Der Analyseansatz basiert auf der Evaluation der internationalen Technologieportfolios im Bereich fortgeschrittene Digitalisierung in Anwendungstechnologien auf Grundlage von Patentdaten. Dies ermöglicht eine Beurteilung der technologischen Fähigkeiten Bayerns: Wo liegen die Stärken und Schwächen ihrer Technologieportfolios? Nur wer sie kennt, kann Innovationspotenziale entdecken und umsetzen, wo sie bereits vorhanden sind, oder sie schaffen, wo sie bislang noch fehlen. In diesem Sinne ist die Innovationsfähigkeit der Motor für wirtschaftlichen Wohlstand und Entwicklung. Vor allem Neuerungen im hochtechnologischen Bereich sind elementar, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Patente sind einer der wenigen vorwärts gerichteten Indikatoren. In der Regel vergehen von der Patentierung bis zur Umsetzung in ein Produkt 3-5 Jahre. Unternehmen, die heute in einer Technologie aktiv und gut sind, können mit hoher Wahrscheinlichkeit in 3-5 Jahren ein entsprechendes Produkt auf dem Markt bringen. Unternehmen, die heute keine Patente in bestimmten Technologien haben, werden in 3-5 Jahren kein Produkt haben.

Technologieprofile stellen zum einen die fortgeschrittenen digitalen Forschungsaktivitäten der ausgewählten Regionen im Detail dar, zum anderen können sie auch für eine Darstellung der Wettbewerbsfähigkeit in diesen Technologien genutzt werden. Ein Standardvergleich von Technologien für eine Region würde durch einen Vergleich der absoluten Patentzahlen erfolgen. Einige Technologien sind jedoch patentintensiver als andere. Daher beschreibt ein Vergleich einer patentintensiven Technologie mit einer weniger patentintensiven Technologie lediglich die Patentaktivitäten und sagt wenig über die relative Wettbewerbsfähigkeit in diesen Technologien aus. Setzt man jedoch die Patentaktivität einer Region in einer Technologie in Relation zur weltweiten Patentaktivität, so ergibt sich der Weltanteil der Region an dieser Technologie. Dies zeigt die Bedeutung der Region in dieser Technologie und gleichzeitig die relative Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Regionen (Y-Achse). Die Entwicklung des weltweiten Anteils über zwei Zeitpunkte hinweg zeigt die Zunahme oder Abnahme der Wettbewerbsfähigkeit im Laufe der Zeit (X-Achse).

Im Zentrum der Analyse steht die Anzahl der digital durchdrungenen qualitativ hochwertigen Patente pro Technologie. Um die Qualität der einzelnen Patente zu bestimmen, wird die Länderabdeckung und die Zitierungshäufigkeit ermittelt. Die Länderabdeckung berechnet die weltweite gesetzliche Abdeckung des Patentschutzes. Sie zeigt, wie die Eigentümer des jeweiligen Patents die Bedeutung ihrer eigenen Erfindung bewerten. Je grösser die Zahl der Länder, in denen das Patent angemeldet wird, desto teurer wird der Patentschutz. Eine breitere internationale Länderabdeckung signalisiert also, dass der Patentanmelder sein Patent für vielversprechend hält (Eigeneinschätzung). EconSight legt besonderen Wert auf eine realistische Länderklassifikation, denn obwohl ein Patent in vielen Ländern angemeldet werden kann, sind strategisch nur einige wenige Länder relevant. Gemessen wird deshalb, ob ein Patent die “kritische Masse” erreicht hat (mehrere grosse Länder wie die USA, China, Japan, Europa, aber auch zentrale mittelgroße Länder wie Grossbritannien, Deutschland, Südkorea). Ob ein Patent zusätzlich in vielen kleinen Ländern aktiv ist, ist für die Grundqualität unerheblich.

Die Zitierhäufigkeit des Patents ergibt sich daraus, wie oft die Prüfer der verschiedenen Patentämter darauf Bezug nehmen und es zitieren. Die Patentämter prüfen nach recht ähnlichen Methoden, ob eine Patentanmeldung neu und erfinderisch ist, und ziehen dazu andere, publizierte Patente heran. Daraus wird ersichtlich, wie wichtig eine Erfindung im Vergleich zu anderen Patenten in derselben Technologie ist (Fremdeinschätzung). EconSight legt auch hier besonderen Wert auf die Relevanz der gemessenen Werte. Während andere Bewertungssysteme Zitierungen einfach zählen oder bestenfalls jüngere Zitierungen höher gewichten als ältere Zitierungen, fokussiert EconSight auf business-relevante Zitierungen. So ist beispielsweise die Zitierung eines Patents durch einen einzelnen Erfinder weniger wert als die Zitierung durch ein grosses Unternehmen wie Alphabet.

Die individuelle Patentstärke als Kombination aus relevanter Länderabdeckung (Erreichung einer «kritischen Masse») und relevanter Zitierhäufigkeit («business relevante» Zitierungen) lässt darauf schliessen, welche Auswirkung eine Patentfamilie auf den Wettbewerb hat und erlaubt eine quantifizierbare Einteilung in wichtige Patente und weniger wichtige Patente. EconSight legt den Schwerpunkt der Analyse auf die sogenannten Weltklassepatente: die besten 10 Prozent aller Patente innerhalb einer definierten Technologie, gemessen an der individuellen Patentstärke.

Grundsätzlich sind mit den Anmelde- und Erfinderinformationen zwei Perspektiven möglich. Während die Anmeldesicht alle Patente dort zuordnet, wo das Unternehmen in der Regel seinen Hauptsitz hat, zeigt die Erfindersicht, wo die auf dem jeweiligen Patent genannten Erfinder wohnen – es handelt sich in der Regel um die Privatadressen der Erfinder. Da insbesondere Grossunternehmen die Patente am Hauptsitz anmelden, überhöht die Anmeldeperspektive die technologische Leistungsfähigkeit vor Ort, denn die Erfinder und damit das Know-How können auch an einem anderen Forschungsstandort des Unternehmens im In- oder Ausland wohnen und arbeiten. Die Perspektive der Erfinder fokussiert auf die regionale Zuordnung der technologischen Leistungsfähigkeit. Allerdings müssen die entsprechenden Patente nicht unbedingt Unternehmen aus der Region gehören.

In dieser Analyse wird die Erfindersicht verwendet.

Informationen und Download der Studie

Die Studie können Sie bei der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft herunterladen.

Globale Trends

Trends in den wichtigsten Ländern / Bayern

Technologieprofile für die vbw Zukunftsfelder

Technologieprofile für 90 Anwendungstechnologien

Vergleich Technologieprofile: fortgeschrittene Digitalisierung in Zukunftsfeldern vs. Zukunftsfelder insgesamt

KI und Quantum Computing im Fokus